Meine Reise in die Türkei

It feels like coming home

Schon lange wollte ich zurück in die Türkei, zurück ins Jo.Si.To, meine Freunde besuchen und an diesem wunderbaren Ort klettern. Doch auch ich habe mich lange von der politischen Lage abhalten lassen.
Irgendwann habe ich angefangen die Dinge anders zu betrachten. Wieso nicht meine Freunde unterstützen, die auch von der aktuellen Situation betroffen sind, wieso also nicht für sie Flagge zeigen anstatt sich abhalten zu lassen… und so wurde aus der Idee ein Plan.
Und tatsächlich ist mein Plan nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Kommentare wie „Lass dich bloß nicht verhaften!“, „Schau, dass Du da wieder raus kommst“ und einiges mehr musste ich mir anhören. Und ich muss zugeben, ein bisschen mulmig war mir tatsächlich zumute als ich am 10. Januar 2018 in den Flieger gestiegen bin.

Erstes Fazit: Man merkt nichts von politischen Spannungen, weder am Flughafen noch in Antalya selbst. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, vielleicht verstärktes Polizei- oder Militäraufkommen, aber davon war nichts zu sehen.

Die Fahrt hoch ins Jo.Si.To weckte viele Erinnerungen! Wie oft war ich schon dort und immer war es schön! Jetzt bin ich nur noch gespannt und freue mich auf knapp 4 Wochen Klettern, in einem, wie ich finde, der besten Klettergebiete der Welt. Und kaum als ich mit dem ersten Effes in der Bar sitze, fühlt es sich wie Nachhause-Kommen und so verdammt gut und richtig an.

Am nächsten Tag darf ich endlich wieder Fels anfassen nach einem viel zu langen Winter am Plastik. Während ich so in der Sonne klettere, fängt der Muezzin zu singen an, eine Ziegenhirtin schreit ihre komischen Laute zu ihren Ziegen und mein Herz macht einen Hüpfer – was hab ich das vermisst!

Es ist ruhiger dieser Tage im Camp, so wie im ganzen Klettergebiet, aber ich empfinde das nicht als negativ, im Gegenteil:
Tobi, einer der Gründer steht wieder mehr selbst in der Bar und bedient zusammen mit seiner Frau Duygu die Gäste, sie empfehlen Routen und setzen sich auf einen Plausch mit an den Tisch. „By climbers for climbers“ der Claim vom Jo.Si.To bekommt dadurch wieder eine tiefere Bedeutung und das tut dem Camp und der gesamten Atmosphäre verdammt gut.

Ich könnte jetzt unendlich schreiben, über die tollen Routen, die schönen Wanderungen, über das großartige Essen, die Gastfreundschaft der Türken, darüber dass ich einen persönlichen Erfolg mit der Erschließung eines neuen Grades (meine erste 7c, yeah!) zu verbuchen habe und und und. Doch wer mehr über das Jo.Si.To und das Klettergebiet rund um Geyikbayiri wissen will: unter www.josito.de findet ihr alle Infos!

Was mir am Herzen liegt ist folgende Erkenntnis: Ja, man kann in die Türkei reisen, es ist absolut ungefährlich. Und sollte man es? Unbedingt Ja! Natürlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen, aber wenn man wertschätzen und unterstützen möchte, was die Jo.Si.To Crew maßgeblich dort geschaffen hat, nämlich eins der besten und schönsten Klettergebiete, dann sollte man unbedingt wieder dorthin fahren, denn es gibt so viele Gründe!
Perfekter Fels, alles fußläufig erreichbar, eine wunderschöne Landschaft, traumhafte und abwechslungsreiche Touren in wirklich allen Schwierigkeitsgraden, eine tolle Kletter-Community, türkische Gastfreundschaft und ein perfekt geführtes Camp.

Ich habe dort neue Freunde gefunden, viele neue Touren entdeckt und so viele Linien gesehen, die unbedingt noch geklettert werden müssen und für mich steht fest, ich werde dieses Jahr wieder hinfliegen.

Bericht von Tina Mutard

Die Gebiete:

‚Türkisch Standart‘
Der perfekte Einklettersektor. 1 Minute Zustieg, toller Fels mit grossen Löchern und Leisten in den Graden 5a bis 7b+.
‚Inquisition‘ (6c+) : Leistenkletterei vom Feinste
 ‚Piano Hands‘ (5c): Hast Du kleine Finger, dann hast Du grosse Griffe

‚Sarkit‘
Geniale Sinterkletterei an orange-rotem Fels. Die Routen sind meißt lang und überhängend.
‚Saxafon‘ (6b+): Steil ist geil! Besonders, wenn man sich an entscheidender Stelle an einen Stalaktiten anlehnen kann. 
‚JaJa City‘ (7a+): Mega lange Sinterchallenge mit Monster-Stalaktit am Ende
‚Sarkit Souls‘ (8a): Nach scheinbar endlosem Sintergepumpe wird man von einer Schlüsselstelle im fränkischen Stil überrascht.
‚Over the Top‘ (8b): Wer in diesem Grad unterwegs ist, kommt an dieser Tour nicht vorbei. Rein optisch schon toll, aber die Bewegungen sind sogar noch besser. 

‚Mevlana‘
Ein Mix aus Sinter und Konglomeratfels. Hier kann man auch an den kältesten Wintertagen perfekt klettern.
‚Rockrebublic‘ (7b): Ausdauerpumper an grossen Konglomerat Kartoffeln
‚Memory of Giovanni‘ (7c): Tolle, leicht überhängende Leistenkletterei   
‚Fun in the Sun‘ (7c+): Erst überraschend technisch, dann Sinterspaß vom Feinsten

‚Trebenna‘
einzigartiger Schattensektor mit dreidimensionalen Felsformationen. Schüttet es wie aus Kübeln? Ist es brennend heiss? Kein Problem, hier klettert man auch dann und nimmt an warmen Tagen zwischen durch noch ein erfrischendes Bad in einer der eiskalten Badegumpen neben an.
‚Greek Gift‘ (7b): Mehr dreidimentional geht nicht
‚Orient Express‘ (7b+): Tolle Ausdauerkletterei an Sintern, Leisten und Löchern
‚Leon‘ (7c/+): Mehr technisch geht nicht
‚Freedom is a battle‘ (8a+): Tufa-Wrestling im Dach

‚Left Cave‘
Gemütlicher Familiensektor mit Spielwiese und einer Minute ‚Zustieg‘ zum JoSiTo-Cafe
‚Samanyolu‘ (6c) Leisten und Löcher, die sich überraschend pumpig aneinander Reihen
‚Black Moon‘ (7b+): Der Sinter Klassiker schlecht hin

‚Alabalik‘
Schöner, am Bach liegender Sektor.
‚Kelebehin Rüyasi‘ (6c): Traverse an Sintern
‚Özlem‘ (7c+): Schöne Ausdauerroute, erst steil dann Leistenkletterei
‚Neptunalia‘ (8a+): Tolle Ausdauerroute an Sintern

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