Teilnehmerbericht zum Girls Only Workshop

Vertrauen, Kommunikation und Sturztraining

Zum Auftakt der Hallensaison starten wir auch wieder mit unseren Mentaltrainings.
Wir haben das zum Anlass genommen bei unseren Teilnehmern mal nachzufragen, wie es ihnen denn mit dem Training ergeht. Andrea hat bei dem speziell für Kletterinnen konzipierten Training ‚Girls only‘ teilgenommen und wir freuen uns an ihren Erfahrungen aus dem Training teilhaben zu dürfen:

Seit ungefähr 5 Jahren klettere ich nun mit Begeisterung. Mich hat wirklich das Kletterfieber gepackt, bis ich im letzten Jahr mehrere Erlebnisse hatte, die mir die Freude am Vorsteigen vermiest haben.
Jetzt wäre die einfache Lösung natürlich, nie wieder im Vorstieg zu klettern und im Toprope meine Routen zu meistern. Doch irgendwie konnte und wollte ich das nicht einsehen, da der Vorstieg irgendwie doch das „wahre“ Klettern ist, oder nicht?

Spontan ergab es sich, dass ich einen Mentalkurs bei der Kletter-Werkstatt ergatterte. Ein Mentaltraining nur für Frauen? Ist das die Lösung für mein Problem? Zumal demnächst ein Kletterurlaub in Arco anstand und ich dort auf keinen Fall nur im Toprope hinterher klettern wollte, lies ich es auf einen Versuch ankommen.
So kam es, dass ich einen Tag lang im High East bei München mit 6 anderen Frauen bei dem ‚Girls only‘-Workshop verbringen durfte.

Nach einer Vorstellungsrunde, erklärte uns Melanie, die Mentaltrainerin, wie wir unsere Angst im Vorstieg bewältigen können: nämlich schrittweise und innerhalb unserer Lernzone, niemals im Panikbereich.
Sie begann damit, dass es zuerst auf die Wahl des Kletterpartners ankommt. Man braucht einen Kletterpartner, dem man 100% ig vertrauen kann, doch selbst dann ist das Gespräch miteinander mit das Wichtigste am Klettern. Dabei ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Sicherungsgerät wichtig, um nicht nur den Kletterer selbst, sondern sich auch dessen Vertrauen, zu sichern.
Hierbei ist der Dialog zwischen den beiden Partnern mit endscheidend. So überlegten wir uns welche Kommunikation und welche kletterspezifischen Kommandos, wir noch von unserer Partnerin brauchen, um zu spüren, dass sie bei uns ist. Auch der gemeinsame Blick nach oben und die anschliessende Kommunikation über den Routenverlauf und mögliche Klipp-Positionen,  ist mit entscheidend dass der Nebel der Angst etwas durchsichtiger wird. In dieser Einheit hatte ich bereits meine ersten Aha-Erlebnisse und bin im Geiste meine bisherigen Kletterpartner durchgegangen und mir kam der ein oder andere Gedanke, was vielleicht der Auslöser war, dass ich keinen Vorstieg mehr wagen wollte.

Danach folgte der praktische Teil. Um eben das Vertrauen zwischen den Kletterpartnerinnen aufzubauen, wärmten wir uns an der Wand auf, wobei Melanie und ihre Assistentin Laura auf das richtige Sicherungsverhalten achteten und korrigierten. So senkte sich langsam die Nervosität aller Beteiligten.

Nach und nach wurde auch ich mutiger, als wir dann mit dem Sturztraining begannen. Obwohl meine Angst zuvor sehr groß war, schaffte ich es, einige meiner Grenzen zu überwinden. Die Vorstiegsangst selbst, lässt sich natürlich nicht an einem Tag ganz besiegen. Man muss dranbleiben und immer wieder an jedem Klettertag ein für sich passendes Sturztraining mit einbauen. Doch ich war froh den ersten Schritt bereits am Vormittag getan zu haben.

Nach einer kurzen Mittagspause an frischer Luft bei schönstem Wetter, ging es darum, wie positive Gedanken und der ‚liebevolle’ Umgang mit uns selbst unser Klettern beeinflussen. In jedem „Fall“ ist es von Vorteil, wenn man zu sich selbst gut und freundlich ist.
In Einzelgesprächen arbeitete Melanie die spezifischen Themen mit jeder Teilnehmerin heraus und gemeinsam überlegten wir, was für uns ganz individuell der nächste Schritt ist. Wir haben alle ordentlich Gas gegeben und so einige Flugmeilen an dem Tag gesammelt. Am Ende waren wir alle erschöpft und glücklich unsere Grenzen ein wenig verschoben und unseren Komfortbereich etwas erweitert zu haben.

Am Schluss kann ich nur sagen, dass sich die weite Anfahrt für mich echt gelohnt hat und ich viel mitnehmen konnte.
Übrigens, mein Kletterurlaub in Arco war ein Highlight und dank des Trainings bin ich fast alle meine Routen vorgestiegen.

Andrea Mayer (aus Engelthal)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CategoryMentales, News, Workshops
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